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BMBF-Konferenz „Das genetische Wissen und die Zukunft des Menschen“


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranstaltet vom 10.-12. März 2002 in Berlin die internationale Konferenz „Das genetische Wissen und die Zukunft des Menschen“.

Die molekulare Medizin und die Humangenomforschung stehen in Folge der abgeschlossenen Sequenzierung und Kartierung des menschlichen Genoms im Blickpunkt des gesellschaftlichen Interesses. Eine breite öffentliche Diskussion über die damit verbundenen Chancen und Risiken ist somit drängender denn je.

Nach wie vor weckt die Genomforschung die Hoffnung auf neue Einsichten in die Grundlagen des Lebens – mit Auswirkungen vor allem auf den medizinischen Bereich. Als Stichpunkte seien in diesem Zusammenhang genannt: Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie von Erkrankungen sowie die Entwicklung von maßgeschneiderten Medikamenten. Gleichzeitig wächst jedoch die Besorgnis, dass mit den neuen Kenntnissen ein erhebliches Missbrauchspotenzial verbunden ist.

Neben der Präsentation des aktuellen Standes der Forschung möchte diese internationale Konferenz insbesondere die sich abzeichnenden Entwicklungen in molekularer Medizin und Humangenomforschung thematisieren. Die tatsächlichen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologien sowie die gesellschaftlichen, ethischen und rechtlichen Implikationen der neu gewonnenen Erkenntnisse werden für drei ausgewählte Bereiche diskutiert. Hierbei werden folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Genomforschung: Wissenschaftliche Möglichkeiten, kulturelle und soziale Herausforderungen
    Nur mit dem Verständnis des aktuellen und zukünftigen Wissens, welches durch Genomforschung erzeugt wurde und wird, lassen sich die Chancen der Genomforschung verantwortlich nutzen. Ziel dieser Sektion ist daher zum einen die Darstellung des derzeitigen Standes der Humangenomforschung und der bisher erzielten Ergebnisse hinsichtlich des Verständnisses der Funktionsweise von Genen. Zum anderen wird die weitere Entwicklung der Genomforschung und der sich daraus ergebenden Anwendungen – auch über den medizinischen Bereich hinaus – diskutiert.
  • Genom und Organismus: Funktionelle Forschungsansätze in den Lebenswissenschaften und ihre sozialen Auswirkungen
    Eine funktionelle Analyse des Genoms und sein Zusammenwirken mit anderen Faktoren erfordert neue interdisziplinäre Forschungsansätze. Unterschiedliche Disziplinen wie z.B. die Entwicklungsbiologie, Bioinformatik aber auch die klinische Medizin werden Beiträge zum Verständnis der Funktionsweise des Genoms liefern. Ein wichtiges Ziel dieser Forschungsansätze ist die Entwicklung von neuartigen Therapien vor allem im Bereich von verbreiteter Erkrankungen (Krebs, Diabetes, Bluthochdruck u.a.). Werden demnächst bislang unheilbare Krankheiten ihren Schrecken verlieren? Die Darstellung der aktuellen Situation dieser Forschungsansätze wird durch Prognosen über zukünftige Entwicklungen im therapeutischen Bereich ergänzt. Abgerundet wird diese Sektion durch Beiträge über die Erwartungen von Patienten sowie die Auswirkungen des Einsatzes der Humangenomforschung auf das Gesundheitssystem.
  • Genetische Information als Basis von Diagnose und Prädiktion: Möglichkeiten und Grenzen
    Mit Hilfe der Genomforschung sind vielfältige Möglichkeiten zur prädiktiven genetischen Diagnostik zu erwarten. Die individuelle Genomanalyse wird zunehmend zu einer Basis der ärztlichen Behandlung. Der Präsentation der aktuellen Forschung folgt eine Diskussion über die gesellschaftlichen Folgen der prädiktiven genetischen Tests und den rechtlichen Schutz von Persönlichkeiten. Die Generierung der genetischen Daten selbst wird weitere Fragen z.B. zur Qualität der Tests sowie zum Persönlichkeitsschutz aufwerfen. In einer Paneldiskussion werden die sozialen, ethischen und rechtlichen Probleme vermehrter Testmöglichkeiten sowie internationale Lösungsansätze skizziert.
  • Humangenomforschung als Tor zur individualisierten Medizin?
    Die Genomforschung ermöglicht eine neue Basis der Arzneimittelentwicklung, sondern mit der sich die Hoffnung auf eine individuelle, auf die genetische Disposition des Patienten abgestimmte Therapie verbindet. Ist diese Hoffnung realistisch? Die dazu notwendige Identifikation möglicher genetischer Risikofaktoren führt beispielsweise genau dann zu Problemen, wenn die Zusammenhänge zwischen den genetischen Risikofaktoren, Umweltfaktoren und anderen Faktoren nicht vollständig verstanden sind. Ohne Therapie wird das genetische Profil zum persönlichen, unabänderlichen Schicksal. In dieser Sektion werden zunächst die aktuellen Entwicklungen im Hinblick auf die Konstruktion maßgeschneiderter Therapeutika mit Hilfe der Genomforschung vorgestellt. Im folgenden werden gesellschaftliche Fragestellungen erörtert - wiederum auch aus Sicht der Patienten und des Gesundheitssystem.

 

Die Konferenz wird ergänzt durch zwei attraktive Abendvorträge:

  • 10. März 2002, 18:00 Uhr
    Prof. Dr. Didier Sicard (Professor für Innere Medizin, Hôpital Cochin, Paris; Vorsitzender des Französischen Nationalen Ethikrates (CCNE)) spricht zum Thema “Genetics, illusions and hopes”. Dieser Vortrag ist öffentlich.
  • 11. März 2002, 17:00 Uhr
    Prof. Dr. LeRoy Walters (Kennedy Institute of Ethics, Georgetown University, Washington D.C.) ist einer der führenden Bioethiker der Vereinigten Staaten von Amerika. Sein Vortrag “Genetic Research and Society: Expectations, Goals and Limits“ konzentriert sich auf mögliche Entwicklungen im Bereich der Gentherapie und der sich ergebenden ethischen Fragestellungen. Themen wie die Veränderung der Keimbahn zur Verhinderung von Erbkrankheiten, Gentherapie für psychische Erkrankungen sowie für die Verbesserung menschlicher Fähigkeiten stehen in Deutschland bislang nicht auf der Tagesordnung, werden dagegen in den USA zumindest teilweise bereits erforscht. Dieser Vortrag ist nur für Tagungsteilnehmer.

 

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