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Ökonomische Aspekte

II. Ökonomische Aspekte


Biodiversität als ökonomisches Gut

Untersuchungsgegenstand der Wirtschaftswissenschaften (siehe Modul Untersuchungsgegenstand der Wirtschaftswissenschaften) ist die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse mit knappen Mitteln, welche auf unterschiedliche Weise verwendet werden können. Biologische Vielfalt kann demnach als ein ökonomisches Gut betrachtet werden, sofern sie (1) geeignet ist, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, (2) ihr Vorkommen knapp ist und (3) sie in unterschiedlicher Weise genutzt werden kann. Im Folgenden soll anhand ausgewählter Beispiele gezeigt werden, inwiefern die genannten Kriterien ökonomischer Güter auf die Biodiversität Anwendung finden können.

(1) Befriedigung menschlicher Bedürfnisse

Biologische Vielfalt bietet der Menschheit zum einen wesentliche Ressourcen für eine nachhaltige Sicherung der Ernährung (siehe Modul Ernährung), für die Entwicklung neuer Medikamente (siehe Modul Medikamente) und für die Entdeckung und Entwicklung industrieller Rohstoffe (siehe Modul Industrielle Rohstoffe). Zum anderen spielt die Biodiversität eine entscheidende Rolle in der Wissenschaftsdisziplin der Bionik (siehe Modul Bionik) und für die Methode der Bioindikation (siehe Modul Bioindikation). Zudem kommt den sogenannten Ökosystemdienstleistungen (siehe Modul Ökosystemdienstleistungen I und II) eine große unmittelbare oder mittelbare Bedeutung für die landwirtschaftlichen und industriellen Produktionsprozesse zu. Über die vorgenannten wirtschaftlichen Nutzungsarten der biologischen Vielfalt hinaus werden dieser auch nur schwer kommerziell erfassbare ästhetische Werte und Erholungswerte zugesprochen. So wird etwa die Schönheit von Pflanzen und Tieren von vielen Menschen geschätzt, die die Natur als Ausflugs- und Urlaubsraum nutzen.

(2) Knappheit und (3) alternative Nutzungsmöglichkeiten

In den Wirtschaftswissenschaften bedeutet die Knappheit eines Gutes grundsätzlich relative Knappheit in Bezug auf andere Güter, wobei unterstellt wird, dass die Güter innerhalb gewisser Grenzen substituierbar sind. Knappheit gestaltet sich vor diesem Hintergrund immer als ein Austauschproblem: Um eine zusätzliche Einheit eines Gutes zu erhalten, muss immer eine bestimmte Menge anderer Güter aufgewendet werden (Geld, Konsumgüter, Zeit etc.). Die Fokussierung der Ökonomie auf das Problem der relativen Knappheit prägt auch die Wahrnehmung der Biodiversität in den Wirtschaftswissenschaften: Relative Knappheit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Bereitstellung bzw. Erhaltung von Biodiversität notwendig mit (Opportunitäts-)Kosten verbunden ist. Demnach bedingt die Schaffung zusätzlicher biologischer Vielfalt, etwa durch die Anlegung von Biotopen, den Verzicht auf andere Güter wie etwa Geld oder alternative Nutzungsarten des als Biotop gestalteten Gebiets.

Der ökonomische Wert der Biodiversität

Der ökonomische Gesamtwert der Biodiversität (siehe Modul Ökonomischer Gesamtwert der Biodiversität) setzt sich zusammen aus Gebrauchs- und Nicht-Gebrauchswerten. Gebrauchswerte sind solche, die aus der tatsächlichen oder potentiellen Nutzung eines Wirtschaftsguts entstehen, und lassen sich in den direkten Gebrauchswert und den indirekten Gebrauchswert (siehe Module Direkter Gebrauchswert und Indirekter Gebrauchswert) sowie den Optionswert (siehe Modul Optionswert) unterteilen. Nicht-Gebrauchswerte wachsen einem Gut indes unabhängig von etwaigen Nutzungsmöglichkeiten zu und werden in den nachempfundenen Gebrauchswert (siehe Modul Nachempfundener Gebrauchswert), den Vermächtniswert (siehe Modul Vermächtniswert) und den Existenzwert (siehe Modul Existenzwert) unterschieden.

 
Der Beitrag der Ökonomie zum Schutz der biologischen Vielfalt

Der in den letzten Jahrzehnten zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getretene rapide Verlust an biologischer Vielfalt (siehe Modul Verlust an biologischer Vielfalt) hat dazu geführt, die zur Auswahl stehenden Optionen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verstärkt auch mit den Mitteln der Ökonomie zu untersuchen. Da aufgrund natürlicher, wirtschaftlicher, rechtlicher und politischer Zwänge ein umfassender Schutz der bestehenden Biodiversität nicht zu leisten ist, kommt insbesondere der Erstellung wohlbegründeter Prioritätenlisten (siehe Modul Prioritätenlisten) der zu schützenden Arten eine große Rolle zu. Die Wirtschaftswissenschaften leisten darüber hinaus mittels der Instrumente der Anreizsteuerung (siehe Modul Anreizsteuerung) einen Beitrag zur politischen Umsetzung der Schutz- und Erhaltungskonzepte.

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