Therapeutisches Klonen: Alternativen und Validität
"Therapeutisches Klonen": Alternativen und Validität
Vor allem Forschung an adulten Stammzellen wird als Alternative zur Grundlagenforschung und möglichen Therapieentwicklung mit embryonalen Stammzellen betrachtet. Stammzellen dienen nämlich nicht nur der Entwicklung im embryonalen Gewebe, sondern kommen auch bei ausgewachsenen Organismen beispielsweise im blutbildenden Knochenmark oder im Gehirn vor. Wenn in einem (bis jetzt nicht) möglichen Therapieverfahren Spender und Empfänger identisch sind, könnten Probleme der Immunkompatibilität umgangen werden, ohne dass auf die Herstellung embryonaler Stammzellen zurückgegriffen werden müsste.
Auch hinsichtlich der Entartung durch Tumorbildung scheinen adulte Stammzellen weniger anfällig zu sein. Dennoch sind adulte Stammzellen bereits in bestimmtem Maße differenziert, so dass sie ein wesentlich geringeres Entwicklungspotential aufweisen als embryonale Stammzellen. Zudem ist die Anzahl und damit die Verfügbarkeit adulter Stammzellen, da ihre Kultivierungs- und Differenzierungsbedingungen weitgehend unbekannt sind, begrenzt. Die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung adulter Stammzellen stellt Schöler (2004) zusammenfassend dar.
Für eine verstärkte Einbeziehung der Frage nach alternativen Methoden zur Gewinnung menschlicher pluripotenter Zellen bzw. zur Erreichung der mit dem "therapeutischen Klonen" verfolgten Ziele - ohne Erzeugung oder Verbrauch menschlicher Embryonen oder totipotenter menschlicher Zellen - in die ethische Urteilsbildung, sprechen sich z.B. Rendtorff et al. (2000) und Honnefelder (2000) aus. Dieselben Autoren plädieren auch dafür, die Frage nach einer hinreichenden vorgängigen tierexperimentellen Absicherung des mit diesem Verfahren verfolgten therapeutischen Konzepts in die ethische Urteilsbildung miteinzubeziehen.
Schöler, Hans R. (2004): Das Potenzial von Stammzellen. Eine Bestandsaufnahme. In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 47(6), 565-577.
Rendtorff, Trutz / Winnacker, Ernst-Ludwig / Hepp, Hermann / Hofschneider, Peter Hans / Korff, Wilhelm / Knoepffler, Nikolaus / Kupatt, Christian / Haniel, Anja (1999): Das Klonen von Menschen. Überlegungen und Thesen zum Problemstand und zum Forschungsprozess. In: Forum TTN 2, 4-23 (insb. 19-21). Online Version
Honnefelder, Ludger (2000): Ohne Alternative? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.8.2000.
Für eine Förderung von Ansätzen zur Stammzellgewinnung, die ohne den Verbrauch menschlicher Embryonen auskommen, votiert auch der Präsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, Jörg-Dietrich Hoppe. Hoppe spricht sich zugleich dafür aus, die Forschung an embryonalen Stammzellen gesetzgeberisch - zumindest vorläufig - nicht zuzulassen, um so nicht die Dringlichkeit aufzuheben, die alternativen Ansätze weiterzuverfolgen.
Jachertz, Norbert (2001): Eine Sieger-Besiegten-Stimmung darf nicht aufkommen. Interview mit Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, dem Präsidenten der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages, über PID, PND, Embryonenschutz und die Haltung der Ärzteschaft. Deutsches Ärzteblatt, 98 (20), 18. Mai 2001, A 1292 - 1294, insbes. A 1294. Online Version
Varianten
- Alternativen
- Effektivität und Effizienz

