Behandlungsmöglichkeiten von HIV mit Stammzellen
Behandlungsmöglichkeiten von HIV mit Stammzellen
Einige Wissenschaftler, die den Einsatz von adulten Stammzellen zur Behandlung von HIV-Infektionen erforschen, versuchen Nutzen aus einer Genmutation zu ziehen, von der etwa ein Prozent der europäischen Bevölkerung betroffen ist. Die Mutation betrifft ein Gen, das die Synthese des Chemokin-Rezeptor-5 (CCR5) codiert. CCR5 liegt normalerweise auf der Oberfläche von Blutzellen und wird von den AIDS-Viren als Andockstelle gebraucht. Ist das Gen für CCR5 mutiert, kann der Rezeptor nicht oder nur schadhaft hergestellt werden und das Virus kann die Zelle nicht befallen. Menschen, die ausschließlich diese schadhaften Rezeptoren besitzen, haben somit einen gewissen Schutz vor der Infektion mit dem Virus.
Im Anschluss an die Chemotherapie eines HIV-infizierten Leukämiepatienten waren im Jahr 2008 an der Berliner Charité Zellen eines Spenders mit einer CCR5-Gen-Mutation zum Einsatz gekommen. Der behandelnde Mediziner Gero Hütter stellte fest, dass nach Abschluss der Therapie keine AIDS-Viren im Blut des Patienten mehr nachweisbar waren. Dieser Erfolg muss vorerst als glücklicher Einzelfall betrachtet werden, da die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Spender mit der entsprechenden Genmutation zu finden, sehr gering ist. Zudem bringt die Chemotherapie schwerwiegende Risiken mit sich.
Die Idee veränderte CCR5-Rezeptoren zur Behandlung von HIV-Infektionen zu nutzen wurde in weiteren Studien aufgegriffen. Eine Forschergruppe um David DiGiusto führte im Jahr 2010 in einer Studie eine genetische Veränderung an einem Teil der gesunden Blutzellen durch, die krebskranken Probanden injiziert wurden. Dabei entfernten sie das Gen für den Chemokin-Rezeptor-5, sodass dieser nicht mehr hergestellt werden konnte. Die modifizierten Zellen wurden den Patienten dann in Kombination mit gewöhnlichen Blutstammzellen gegeben. Die kombinierte Gabe modifizierter und nicht modifizierter Stammzellen diente dabei dazu, die Sicherheit der Probanden zu gewährleisten, falls die veränderten Zellen versagen. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, ob eine Therapie von HIV-Infektionen mit modifizierten Blutstammzellen möglich ist.
Patel, P./ Hanson, D.L./ Sullivan, P.S./ Novak, R.M./ Moorman, A.C./ Tong, T.C./ Holmberg, S.D./ Boorks, J.T. (2008): Incidence of types of cancer among HIV-infected persons compared with the general population in the United States, 1992-2003. In: Ann Intern Med. 148 (10), 146. Online Version
DiGiusto, David L./ Krishnan, Amrita/ Li, Lijing/ Li, Haitang/ Li, Shirley/ Rao, Anitha/ Mi, Shu/ Yam, Priscilla/ Stinson, Sherri/ Kalos, Michael/ Alvarnas, Joseph/ Lacey, Simon F./ Yee, Jiing-Kuan/ Li, Mingjie/ Couture, Larry/ Hsu, David/ Forman, Stephen J./ Rossi, John J./ Zaia, John A. (2010): RNA-Based Gene Therapy for HIV with Lentiviral Vector-Modified CD34+ Cells in Patients Undergoing Transplantation for AIDS-Related Lymphoma. In: SciTranslMed 2 (36), 36-43. Online Version
Varianten
- HIV

