Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes Typ 1 mit Stammzellen
Behandlungsmöglichkeiten von Diabetes Typ 1 mit Stammzellen
Typ-1 Diabetes mellitus bezeichnet eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem des Betroffenen die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse im Rahmen einer Entzündungsreaktion angreift. Die darauf einsetzende Zerstörung der Betazellen führt zu einem gesundheitsschädigenden Insulinmangel. Bisher wurde Diabetes Typ 1 vor allem mit der künstlichen Zuführung des fehlenden Hormons in Form von Insulinpräparaten, behandelt. Diese Therapie erlaubt jedoch keine Heilung im engeren Sinne. Der fehlende körpereigene Stoff muss dem Patienten vielmehr bis zum Lebensende zugeführt werden. Die Forschung im Bereich der Behandlung von Diabetes Typ 1 mit embryonalen, aber auch adulten Stammzellen zielt hingegen auf eine Etablierung endgültiger Heilungsmöglichkeit.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind beispielhaft folgende Forschungsergebnisse zu verzeichnen:
Einem Wissenschaftlerteam um Julio Voltarelli gelang es im Jahr 2007 ein Verfahren zu entwickeln, dass Diabetes Typ 1 Patienten zwar nicht dauerhaft heilt, den Diabetes aber zumindest zeitweilig zum Verschwinden bringt. 15 Freiweilligen im Alter von 14 bis 31, bei denen kurz zuvor Diabetes Typ 1 diagnostiziert worden war, wurden Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen. Im Folgenden wurden ihre gesamten Immunzellen durch Medikamente abgetötet, um ihnen dann ihre eigenen Stammzellen intravenös wieder zu verabreichen. 12 der 15 Patienten hatten sich nach wenigen Tagen so weit erholt, dass sie keine Insulininjektionen mehr benötigten. Dieser Effekt hielt im Durchschnitt 18 Monate an, bei einem Patienten sogar 35 Monate. Weitere kontrollierende Studien stehen jedoch derzeit noch aus.
US-Forschern um Evert Kroon gelang es 2008, Mäuse, deren Beta-Zellen chemisch zerstört worden waren, mit humanen embryonalen Stammzellen zu therapieren. In der Studie wurden auf der Basis menschlicher embryonaler Stammzellen Bauchspeicheldrüsengewebe gezüchtet, welches den Versuchsmäusen eingepflanzt wurde. Nach circa einem Monat bildeten sich aus dem menschlichen Gewebe Zellen, welche in Abhängigkeit vom Blutzuckerspiegel Insulin synthetisierten. Nach drei Monaten produzierte ein Großteil der Mäuse sogar genug Insulin um den künstlich hervorgerufenen Diabetes auszugleichen. Inwieweit die Ergebnisse des Tierversuches jedoch auf den Menschen übertragen werden können, ist noch fraglich.
Voltarelli, J.C./ Couri, C.E./ Stracieri, A.B./ Oliveira, M.C./ Moraes, D.A./ Pieroni, F./ Coutinho, M./ Malmegrim, K.C./ Foss-freitas, M.C./ Somoes, B.P./ Foss, M.C./ Squiers, E./ Burt, R.K. (2007): Autologous nonmyeloablative hematopoietic stem cell transplantation in newly diagnosed type 1 diabetesmellitus. In: JAMA 297 (14): 1568-76. Online Version
Kroon, Evert/ Martinson, Laura A./ Kadoya, Kuniko/ Bang, Anne G./ Kelly, Olivia G./ Eliazer, Susan/ Young, Holly/ Richardson, Mike/ Smart, Nora G./ Cunnigham, Justine/ Augulick, Alan D./ D'Amour, Kevin D./ Carpenter, Melissa K./ Baetge, Emmanuel E. (2008): Pancreatic endoderm derived from human embryonic stem cells generates glucose-responsive insulin-secreting cells in vivo. In: Nature Biotechnology, Published online: 20 February 2008. Online Version
Varianten
- Diabetes Typ 1

