Eugenik

Der Begriff „Eugenik” (aus dem Griechischen: „wohlgeboren”) wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert von dem britischen Naturforscher Francis Galton geprägt, eugenische Ideen sind aber schon in der Antike (etwa bei Platon) formuliert worden. Eugenische Lehren oder Maßnahmen zielen dem gemeinen Begriffsverständnis nach darauf ab, das Erbgut der menschlichen Bevölkerung oder einzelner Bevölkerungsgruppen zu verbessern (Positive Eugenik) bzw. seiner Verschlechterung vorzubeugen (Negative Eugenik). Nicht zuletzt aufgrund der unter der Bezeichnung „Rassenhygiene” in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus erfolgten politisch-rassistischen Umsetzung der Eugenik, die bis zur Massenvernichtung sogenannten „lebensunwerten Lebens” führte, sind eugenische Vorstellungen und Maßnahmen sehr umstritten.

Es ist zu beachten, dass es in der gegenwärtigen Debatte über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik nicht darum geht, dass IVF-Embryonen routinemäßig auf bestimmte genetische Merkmale hin untersucht und nach bestimmten Kriterien selektiert werden sollen („Eugenik von oben”). Vielmehr geht es darum, ob es prospektiven Eltern erlaubt sein soll, medizinische Möglichkeiten zu diesem Zweck in Anspruch zu nehmen wenn, und nur wenn, sie selbst es wünschen. Viele Kritiker*innen der PID wenden ein, dass aus einem „dürfen” rasch ein „sollen”, aus einer Erlaubnis rasch ein Zwang zur Selektion werden könne, z. B. aufgrund der Entstehung eines entsprechenden gesellschaftlichen Drucks. Befürwortende der Zulassung der PID bezweifeln hingegen, dass die Gewährung individueller Entscheidungsspielräume in eine solche moralisch problematische „Eugenik von unten” münden werde.

Eine Einführung in Begriff, Geschichte und Problematik der Eugenik sowie weiterführende Literaturhinweise geben:

Kröner, Hans-Peter (1998): Art. Eugenik, 1. Zum Problemstand. In: Lexikon der Bioethik, Bd. 1. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 694-701.

Fuchs, Michael / Lanzerath, Dirk (1998): Art. Eugenik, 2. Ethisch. In: Lexikon der Bioethik, Bd. 1. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 701-704.

Zu Hinweisen auf Literatur zu Fragen der Eugenik im Kontext der PID vgl. die in dem Modul „Anwendungsziele der PID” genannten Titel.
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