Medizinische Aspekte
I. Medizinisch-Naturwissenschaftliche Aspekte
II. Rechtliche Aspekte
III. Ethische Aspekte
IV. Module
Forschungsklonen
Stand: März 2009
Ansprechpartnerin: Simone Hornbergs-Schwetzel
Unter Forschungsklonen (in der öffentlichen Debatte auch häufig "therapeutisches Klonen" genannt) wird die Gewinnung von Embryonen eigens zum Zwecke der Forschung verstanden. Im Gegensatz zum reproduktiven Klonen, bei dem ein vollständiger, lebensfähiger Organismus geschaffen wird, wird der erzeugte Embryo beim Forschungsklonen zerstört, um auf diese Weise embryonale Stammzellen zu gewinnen. Langfristig sollen mit Hilfe derartiger Stammzellen Therapien für bislang unheilbare Krankheiten entwickelt werden.
Der folgende Blickpunkt bietet einen Überblick über die Technik des Klonierens, die zentralen ethischen Diskussionsfelder und die diversen internationalen und nationalen Regelungen in der Frage der Forschung an menschlichen Embryonen und deren Gewinnung.
I. Medizinisch-Naturwissenschaftliche Aspekte
Mit den Begriffen "Klonen" oder "Klonieren" werden unterschiedliche Verfahren und Techniken zusammengefasst. Ihr Einsatz beginnt auf der molekularen Ebene bei der DNA (Desoxyribonucleinsäure), die chemisch betrachtet die Erbsubstanz ausmacht (diese molekularbiologische Technik wird im Deutschen häufig nicht als "Klonen", sondern als "Klonieren" bezeichnet). Alle Klon-Techniken verbindet das gemeinsame Ziel, ein genetisch identisches Duplikat herzustellen: ein DNA-Fragment oder -Molekül, eine Zelle, ein Gewebe oder aber einen ganzen Organismus. Bei allen Lebewesen - außer bei Bakterien - findet die geschlechtliche (sexuelle) Fortpflanzung grundsätzlich über die Bildung von Keimzellen (Samen- und Eizellen) mit einer neuen Zusammensetzung von väterlichem und mütterlichem Erbgut statt, wobei ein neues Genom entsteht. Im Gegensatz dazu zielen Klon-Techniken auf eine Form ungeschlechtlicher (asexueller) oder vegetativer Vermehrung, bei der das Genom des entsprechenden Organismus dupliziert wird. Es kommt nicht zu einer Neuordnung (Rekombination) von Genen, sondern es entsteht eine genetisch identische oder nahezu identische Kopie des Originals. Allerdings ist dies bei vielen niederen Tieren und den meisten Pflanzen neben der sexuellen eine gängige Form der Fortpflanzung. Grundsätzlich kommt auch beim Menschen die identische Mehrlingsbildung in Form von eineiigen Zwillingen (monozygotische Zwilligungsbildung) natürlicherweise vor, allerdings nur im Kontext der geschlechtlichen Fortpflanzung. Im Labor können Organismen auf zwei Weisen künstlich kloniert werden: durch die Teilung eines bereits vorhandenen Embryos (embryo splitting) oder durch die Erzeugung eines Embryos mittels Zellkerntransfers. Beim Klonen zu Forschungszwecken, dem so genannten "therapeutischen Klonen", werden Embryonen durch das Verfahren des Zellkerntransfers gewonnen, d.h. die Embryonen werden durch die Übertragung des Zellkerns einer ausdifferenzierten Körperzelle auf eine zuvor entkernte Eizelle hergestellt.
Der sich im Anschluss an die Zellkernübertragung entwickelnde Embryo ist genetisch nahezu vollständig identisch mit dem Spender des übertragenen Zellkerns. Nach seiner Gewinnung wird der Embryo jedoch nicht in eine Gebärmutter eingepflanzt, um ihn zur Geburt zu bringen, sondern in einem frühen Stadium der Embryonalentwicklung (dem Blastozystenstadium) zerstört, so dass ihm embryonale Stammzellen (ES-Zellen) entnommen werden können. Diese können sich in vitro unter Zugabe spezifischer Wachstumsfaktoren zu bestimmten Zelltypen differenzieren, und dann - so die Hoffnung - dem Spenderorganismus zu Therapiezwecken wieder übertragen werden. Die erfolgreiche Gewinnung von Stammzellen aus zuvor klonierten Primatenembryonen wurde im November 2007 zum ersten Mal beschrieben. Im März 2008 wurde der therapeutische Einsatz von Stammzellen aus geklonten Embryonen von Parkinson-Mäusen beschrieben. Aus Hautzellen der erkrankten Mäuse wurden Embryonen geklont, denen wiederum Stammzellen entnommen wurden, welche zu spezifischen Nervenzellen differenziert wurden. Die Nervenzellen wurden den erkrankten Spender-Mäusen injiziert, welche daraufhin eine signifikante Linderung ihrer Krankheitssymptome aufwiesen.
Im Januar 2008 ist es einer US-amerikanischen Forschergruppe um Andrew French zum ersten Mal gelungen menschliche Embryonen durch Klonen zu gewinnen. Dazu wurde der Zellkern einer adulten Hautzelle in eine entkernte menschliche Eizelle transferiert.
ES-Zellen sind für die Forschung deshalb interessant, weil sie über die Fähigkeit verfügen, sich unter den entsprechenden Bedingungen in nahezu alle verschiedenen Typen von Körperzellen entwickeln zu können. Diese Fähigkeit wird meist als Pluripotenz bezeichnet. Die Erkenntnisse aus der Stammzellforschung hofft man, in der Zukunft für die Herstellung von Geweben oder ganzen Organen zu Transplantationszwecken nutzen zu können. Um eine Abstoßung der transplantierten Gewebe durch das Immunsystem des Empfängers von vornherein auszuschließen, will man über das Klonverfahren Stammzellen herstellen, die mit den Zellkernen des Transplantatempfängers genetisch identisch sind und daher als Ausgangsmaterial für die Herstellung genetisch identischen Gewebes verwendet werden können.
Näheres zur Stammzellforschung siehe im Blickpunkt "Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen".


