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Die Bedeutung des Tierversuchs für die Forschung

Tierversuche in der Forschung

Stand: Juli 2011
Ansprechpartner: Thorsten Galert

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I. Die Bedeutung des Tierversuchs für die Forschung


Versuchstierzahlen: Deutschland und Europa

Tierversuche werden unter anderem zur Erforschung von physiologischen Prozessen, zur Entwicklung von Produkten und Therapieverfahren und zur Überprüfung der Produktsicherheit durchgeführt.

Die Zahl der Versuchstiere steigt dabei stetig. Für das Jahr 2004 dokumentiert der Tierschutzbericht (siehe Modul Tierschutzbericht) 2 265 489 Versuchstiere. 2005 wurden in Deutschland 2 412 678 Tiere für Versuchszwecke eingesetzt, also etwa 147 000 Tiere mehr. Bis 2008 stieg ihre Zahl auf 2 692 890. Die derzeit aktuellsten Zahlen von 2009 verzeichnen ebenfalls einen Anstieg auf 2 786 331, d.h. im Vergleich zum Vorjahr einen weiteren Anstieg um etwa 93400 Tiere. Als Hauptgründe für diese Steigerung werden der vermehrte Einsatz transgener Tiere in der Forschung, die vor allem zur Erforschung von Krankheiten genutzt werden, sowie der Ausbau des Forschungsstandortes Deutschland genannt.

Auch europaweit ist die Zahl der Versuchstiere in den vergangenen Jahren tendenziell eher gestiegen. Laut KOM-Bericht(siehe Modul KOM-Bericht) lag die Zahl der in Europa für wissenschaftliche Versuche verwendeten Tiere im Jahr 2008 bei knapp über 12,0 Millionen.  Diese Zahlen sind den Angaben für das Jahr 2005 (12,1 Millionen Tiere) vergleichbar. Damit wurden seit 2005 jährlich circa 1,4 Millionen mehr Tiere in Versuchen verwendet als im Jahr 2002.

Mäuse und Ratten stellen zusammen, sowohl in Deutschland als auch in Europa, die größte Versuchstiergruppe dar (ca. 80%), an zweiter Stelle stehen in Deutschland Fische (ca. 7%), an dritter Stelle Kaninchen (ca. 5%). Nicht-menschliche Primaten(siehe Modul Grundlagenforschung an Primaten in Bremen) machten 0,1% der Versuchstiere aus. Seit 1991 werden in Deutschland keine Menschenaffen(siehe Modul Menschenrechte für Menschenaffen) (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) mehr für Versuchszwecke eingesetzt.

Im Jahre 2005 wurden, genau wie im Jahr 2002, auch in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union keine Versuche an Menschenaffen durchgeführt; für den nachfolgenden Zeitraum liegen noch keine Daten vor.

In verschiedenen Bereichen (zum Beispiel in toxikologischen Prüfungen) sind die Versuchstierzahlen rückläufig. Indessen steigt in der Grundlagenforschung seit einigen Jahren die Anzahl der Versuchstiere wieder an. Der Anstieg geht insbesondere auf den vermehrten Einsatz transgener Mäuse(siehe Modul Transgene Mäuse) zurück.  Etwa ein Drittel der Versuchstiere insgesamt wird im Bereich der biologischen Grundlagenforschung genutzt. Der größte Teil der Versuche dient dabei der Erforschung von Krankheiten, circa 20% der Erforschung und Entwicklung medizinischer Geräte.

 

Alternativmethoden

In verschiedenen Bereichen können Tierversuche durch alternative Methoden(siehe Modul Alternative Methoden) ersetzt werden. So werden viele Experimente gegenwärtig an Zellkulturen(siehe Modul Zellkulturen) durchgeführt. In Abgrenzung zu Versuchen an lebenden Organismen (In-vivo-Methoden) werden diese als In-vitro-Methoden ("im Reagenzglas") bezeichnet. Auch Computersimulationen können dem Ersatz von Tierversuchen dienen, da sie helfen, die Wirkweise von Stoffen im Körper vorherzusagen. In welchem Maße Alternativmethoden Tierversuche in naher Zukunft ersetzen können, ist umstritten. Zumindest für den Bereich der Kosmetikforschung(siehe Modul Kosmetikrichtlinie) ist ein vollständiger Ersatz der Sicherheitsprüfungen am Tier durch alternative Testverfahren vorgesehen. Forscher weisen aber darauf hin, dass auch zukünftig Tierversuche, vor allem in Medikamentenprüfungen, nicht vollständig zu ersetzen seien: die Komplexität eines intakten Organismus sei notwendig, um alle Wirkungen eines Stoffes zu überprüfen. So ist im Bereich der neurobiologischen Grundlagenforschung sowie der Infektionsforschung laut einiger Wissenschaftler die Forschung an nicht menschlichen Primaten(siehe Modul Weatherall Report) bislang noch unersetzbar.

 

Übertragbarkeit der Ergebnisse aus Tierversuchen

In größerem Umfang werden Tierversuche erst seit der Neuzeit(siehe Modul Claude Bernard) durchgeführt. Seither gibt es eine breite Debatte über die Zulässigkeit von Tierversuchen. Seit Beginn dieser Debatte führen Tierversuchsgegner an, die am Tier gewonnenen Erkenntnisse seien nicht auf den Menschen übertragbar und deshalb überwiegend nutzlos. Dieser Vorwurf zielt sowohl auf die in der Grundlagenforschung (z. B. am "Maus-Modell") gewonnenen Erkenntnisse, als auch auf die Ergebnisse von Medikamentenprüfungen an Tieren (siehe Teil II). Zur Debatte stand und steht, ob unterschiedliche Spezies (wie Mensch und Maus) wegen der strukturellen und funktionellen Gleichartigkeit vieler Organe auf gleiche Stoffe gleich reagieren, oder ob die Wirkweise von Stoffen im Organismus in stärkerem Maße speziesspezifisch ist. Wäre Letzteres der Fall, böten beispielsweise Stoffprüfungen am Tier nur eine vermeintliche Sicherheit. In der Geschichte finden sich Belege für beide Auffassungen: Verschiedentlich wurden Forscher durch die Ergebnisse von Tierversuchen zu falschen Forschungshypothesen verleitet (z. B. bei der Forschung an Poliomyelitis (Kinderlähmung)(siehe Modul Poliomyelitis) oder bei der Prüfung der Produktsicherheit in falscher Sicherheit gewiegt (wie im Fall von Contergan(siehe Modul Contergan)). In anderen Fällen erwiesen sich die im Tierversuch beobachteten Wirkeffekte als auf den Menschen übertragbar. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die zentrale Selbstverwaltungseinrichtung der Wissenschaft in Deutschland, geht davon aus, dass durch einen Tierversuch "erwünschte und etwa 70% der unerwünschten Wirkungen, die den Menschen betreffen" vorhersagbar sind (DFG (2004): Tierversuche in der Forschung. Bonn: Lemmens Verlags- und Mediengesellschaft, 2004: 18).

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